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Die Chance im Esperanto

Am 7.08.2015 finde ich im Internet folgende Meldung: „Derzeit befinden sich weltweit knapp 60 Millionen Menschen auf der Flucht. Dies ist die höchste Zahl, die jemals von UNHCR verzeichnet wurde.“ 1

Und für die Zukunft ist sicher mit noch größeren Zahlen zu rechnen. Deshalb sollte sich die Weltgemeinschaft bemühen, den mit dieser Entwicklung einhergehenden Problemen möglichst effektiv entgegen zu treten. Dazu gehört neben vielen anderen Maßnahmen mit Sicherheit auch die Verbesserung der Verständigungsmöglichkeiten zwischen den Menschen. Normalerweise erwartet man von den Flüchtlingen ein möglichst rasches Erlernen der Sprache des aufzunehmenden Landes. Das ist bestimmt im Grundsatz richtig. Man sollte aber daran denken, dass man oft recht lange braucht, bis z.B. die deutsche Sprache ausreichend beherrscht wird. In dieser Zeit versucht man sich meist mit Hilfe von Dolmetschern und den Rückgriff auf die vorliegenden Kenntnisse in Englisch oder die einer anderen Brückensprache zu behelfen, denn sicher gibt es in den aufnehmenden Ländern nicht allzu viele Menschen, die sich gerade mit der Muttersprache des Flüchtlings verständigen können.

In der Zeit, in der ein Flüchtling die Sprache seines Gastlandes lernt, gibt es für ihn sicher nur wenige Kontakte zu Einheimischen. Das stimmt natürlich nicht ganz, denn viele Ehren- und Hauptamtliche bemühen sich ja um seine Integration. Aber der Kontakt mit den anderen Einheimischen wird doch sehr eingeschränkt sein.

Trotz dieser systembedingten anfänglichen Integrationsschwierigkeiten erwartet man vom Flüchtling ein hohes Maß an Flexibilität. Unsere überalterten Gesellschaften in Europa benötigt Menschen, die möglichst beweglich sind, die also am besten überall dort Arbeit finden sollen, wo sie gebraucht werden. Dafür wird es vielleicht sogar notwendig sein, z.B. nach dem Erlernen der deutschen Sprache noch eine andere in Angriff zu nehmen. Solche Anstrengungen muss der Einheimische meist nicht zu befürchten. Aber auch hier gibt es Gegenbeispiele.

Der hiesige Fachkräftemangel hat in den letzten Jahren z.B. dazu geführt, dass von Deutschland aus in Spanien Nachwuchs angeworben wurde. Junge Spanier sollen zu uns kommen und bei uns eine Lehre absolvieren und dann anschließend hier arbeiten. Viele sind diesem Ruf gefolgt, besonders deshalb, weil es z.Z. in Spanien kaum Möglichkeiten für sie gibt. Der mit der Ausbildung und Arbeit in Deutschland verbundene Lernaufwand wird notgedrungen in Kauf genommen. Den deutschen Arbeitgeber bleibt es dabei meist erspart, sich um Spanischkenntnisse zu bemühen.

Hier müsste nun eine Gesellschaft wegen wegen der unvermeidlichen Fluktuation fairerweise ebenfalls eine Leistung erbringen, die dem Einwanderer oder Flüchtling entgegenkommt. Eine solche wäre die Beschäftigung mit Esperanto. Diese Plansprache kann man in sehr kurzer Zeit erlernen2 und bekommt so eine gute Basis für die Kommunikation mit anderen Menschen, die sich auch damit befasst haben.

In vielen aktuellen Meldungen über die Situation der Flüchtlinge wird immer häufiger darauf hingewiesen, dass ihr Alltag vorwiegend geprägt ist von Warten, Hoffen und Angst3. Die meisten Flüchtlinge sind in Lagern und Camps in der Nähe der Krisengebiete untergekommen. Dort gibt es meist nur dürftige Beschäftigungsmöglichkeiten4, eine frustrierende Situation für alle, die ihre Talente nicht nutzen können. Für den Fall, dass von Anfang an schon feststeht, in welchem Land jemand wirklich bleiben und arbeiten will oder kann, ist es natürlich sinnvoll, sofort mit dem Erwerb der dortigen Sprache zu beginnen. Aber meist „führen Flüchtlinge ein Leben in Ungewissheit – und das oft jahrelang“5.

Hier könnte eine groß angelegte Kampagne für das Erlernen von Esperanto etwas mehr Hoffnung in das Leben der Bedrängten bringen. Das Wort „Esperanto“ bedeutet ja „Ein Hoffender“. Man stelle sich nun vor: In allen Ländern wird in den Schulen für ein Jahr Esperanto unterrichtet. Dies wäre ein deutliches Zeichen für die Welt, für eine bessere Verständigung, unabhängig von der Herkunft. Danach hätten alle Schulabgänger die minimale Grundlage zur internationalen Kommunikation. Jeder, der sein eigenes Land verlassen möchte oder muss, hätte die Sicherheit, dass er überall in den aufnehmenden Ländern Gesprächspartner findet, wenn er dann auch Esperanto gelernt hat. Dafür müssten natürlich alle Einrichtungen, die sich um die erste Aufnahme der Flüchtlinge bemühen, auch mit entsprechendem Material versorgt werden.

Eine solche Kampagne würde sich rasch herumsprechen und besonders zu den Menschen in den vielen Flüchtlingslagern die Hoffnung bringen, dass man sich schon an vielen Stellen in der Welt durch den Abbau der Sprachbarrieren bereits auf sie eingestellt hat. Mit Grundlagenwissen über Esperanto verbessern sich die späteren Chancen ohne den Zwang sich frühzeitig festlegen zu müssen.

Klaus Friese ____________________________________________________________________
Quellenangaben:

1 https://www.uno-fluechtlingshilfe.de/fluechtlinge/zahlen-fakten.html
2 http://staunberater.de/?Esperanto___Eine_Schulstunde_ueber_Esperanto
3 http://www.augsburger-allgemeine.de/thema-des-tages/Analyse-Warten-Hoffen-und-Angst-id34994267.html
4 http://www.hna.de/lokales/goettingen/friedland-ort108199/kritik-verein-lagerleben-friedland-besteht-warten-5334878.html
5 http://www.spiegel.de/politik/deutschland/fluechtlinge-in-deutschland-zum-nichtstun-verdammt-a-1045550.html

Letzte Bearbeitung: 10.01.2016, 15:18

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